PRODUKTIONSNOTIZEN
Die Falle

Never change a winning team
Die Falle ist das Folgeprojekt des Kreativteams von Liebes Kind, dem deutschen Netflix-Original, das nicht nur mit einem International Emmy gekrönt wurde, sondern eine der meistgesehenen deutschen Serien des Streaminganbieters weltweit ist. Wie Liebes Kind basiert Die Falle auf einer literarischen Vorlage und wurde als sechsteilige abgeschlossene Miniserie konzipiert. Produktionsfirma ist Constantin Film mit Tom Spieß und Friederich Oetker als federführende Produzenten sowie Constantin-Film-CEO Oliver Berben als Executive Producer. Drehbuch und Regie liegen in den Händen von Isabel Kleefeld, die zudem auch Creative Producerin ist. Mit Die Falle hat Kleefeld das gefeierte Romandebüt von Melanie Raabe aus dem Jahr 2015 adaptiert. Der Roman stand über viele Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Im Mittelpunkt des Psychothrillers steht eine Bestsellerautorin, die seit zehn Jahren keinen Fuß mehr über die Schwelle ihrer Villa gesetzt hat. Nur wenige wissen, dass ihre Schwester ermordet wurde und sie es war, die ihre sterbende Schwester in der Tatnacht gefunden hat. Als sie nun glaubt, im Fernsehen den Täter zu erkennen, versucht sie, ihm eine Falle zu stellen, indem sie ihn in ihr Haus lockt.
Zur erneuten Arbeit in vertrauter Konstellation sagen die Produzenten Tom Spieß und Friederich Oetker: „Die Idee war durchaus never change a winning team.“ Wobei sie gleichzeitig einräumen, dass es kein gezieltes Manöver gewesen sei, nach Liebes Kind wieder einen Thriller anzupacken. „Der Roman von Melanie Raabe ist uns in die Hände gefallen. Als wir ihn gelesen haben, erkannten wir sofort das Potenzial und mussten ebenfalls sofort an Isabel denken. Wir haben nicht bewusst nach einem Thriller gesucht, sondern nach einem Werk, das in der Bearbeitung und der filmischen Umsetzung viel hergibt“, so Friederich Oetker.

Eine außergewöhnliche Prämisse
Auch wenn das Genre bei der Wahl des nächsten Projekts des Liebes Kind-Teams nicht im Fokus stand, kann Produzent Tom Spieß seine persönliche Affinität zu Thrillern nicht abstreiten: „Allein der Titel ist schon sehr catchy und man hat eine Prämisse, die klar definiert ist. Es ist ein Thriller, der live und akut Bedrohung und Abgründe erzählt. Ich fand diese absolute Konzentration auf zwei Figuren, diesen Two-Hander, das Duell einfach fesselnd.“ Kollege Friederich Oetker entdeckt sogar Hitchcock-Vibes bei Die Falle: „Mich hat die Geschichte ein bisschen an Das Fenster zum Hof erinnert, wo auch jemand, der an sein Haus gefesselt ist, einen vermeintlichen Mörder überführen möchte. Dass die Hauptfigur bei Die Falle selbst der Köder ist, ist eine außergewöhnliche Konstellation.“
Dass Die Falle als sechsteilige Miniserie erzählt wird, habe sich in der finalen Bucharbeit durch die dramaturgische Organisation ergeben, erinnert sich Tom Spieß. „Wobei wir in unseren Gesprächen vorab mit Blick auf die Vorlage bereits beschlossen hatten, ein abgeschlossenes Format zu wählen. Ich finde, dadurch wird die Geschichte nicht überdehnt. Hinsichtlich Timeline und der Verfassung der verschiedenen Erzählebenen war das die richtige Entscheidung.“
Erste Calls mit Netflix fanden im Mai 2023 statt, die erste Drehbuchfassung der ersten Episode lag im Oktober 2023 vor. „Netflix hat sich für das Projekt entschieden, noch bevor Liebes Kind herauskam. Wir wussten damals noch nicht, dass Liebes Kind diesen weltweiten Erfolg haben würde und die meistgesehene deutschsprachige Serie bei Netflix werden würde“, fügt Spieß hinzu.

Mit Fingerspitzengefühl
Die Falle war für Isabel Kleefeld, die seit 2001 Regie führt, als Drehbuchautorin tätig ist und auf eine entsprechend breit gefächerte Filmographie blickt, prädestiniert. „Isabel kann aus einem Ursprungsstoff unglaublich gut das Szenische herausarbeiten. Dinge, die in Büchern subjektiv sind, versteht sie in Szenen umzuwandeln. Sie erkennt stets die Essenz eines Stoffes. Außerdem beherrscht sie die psychologische Führung von Figuren exzellent“, so Produzent Friederich Oetker. Das Kreieren von Spannungsbögen und die Zuschauer*innen dadurch bei der Stange zu halten, bereite der Filmemacherin große Freude. „Isabel ist eine Meisterin im Nebelkerzen werfen – ohne effekthascherisch zu sein. Es ist immer in den Figuren angelegt und bis zum Ende ausgespielt. Sie schafft es, Spannung über einen stundenlangen Zeitraum greifbar zu halten“, beschreibt Oetker die Qualität der Filmemacherin weiter. Dem pflichtet Tom Spieß bei und ergänzt: „Isabel ist eine sehr gute, erfahrene und vielfach ausgezeichnete Autorin und Filmemacherin, die ja schon in diversen Genres gearbeitet hat. Was sie in meinen Augen auszeichnet, ist der Kontakt zu den Figuren. Und dass sie die Figuren in den Kontext der Geschichte setzt, immer über die Figuren die Geschichte erzählt. Das ist eine große Fähigkeit.“
Die Falle besticht als intelligent aufgebautes, psychologisches Spiel, bei dem die angelegten Rädchen der verschiedenen Erzählebenen fein ineinandergreifen. Für Produzent Tom Spieß geht es in dem Stoff um die Selbstermächtigung der Hauptfigur, Bestsellerautorin Lisa Konrad, die nach einem Schock mit Raffinesse versucht, ihre Autarkie zurückzugewinnen, indem sie dem vermeintlichen Mörder ihrer Schwester eine Falle stellt und ihn in ihr Haus lockt. „Es ist beeindruckend, wie die Geschichte es schafft, durch den riskanten Plan der Hauptfigur, ihr eigenes Tempo und Klima zu erschaffen.“

Als Zuschauer*in bleibt man immer bei Lisa Konrad, wird sehr verstrickt in ihre Perspektive. “Man drückt ihr bei allem, was sie plant, die Daumen“, so Tom Spieß weiter. An diesen Gedanken knüpft Friederich Oetker an, weil er findet, dass man als Zuschauer*in mit der Hauptfigur zwar zunächst in einer gewissen Sicherheit startet, dann aber immer wieder in einer Ambivalenz und Unsicherheit gehalten wird, was die Sinneseindrücke und Motivation der Figuren angeht. „Das ist dann die zweite Ebene des Thrills. Neben einer Täterschaft kann man sich auch auf die handelnden Personen nicht unbedingt verlassen.“
Auch bei Liebes Kind war Isabel Kleefeld kreativ im Lead, hatte aber mit Julian Pörksen einen tollen Partner an ihrer Seite. Bei Die Falle hielt sie alle Zügel komplett in der Hand. „Es war nicht der Plan, hat sich aber daraus ergeben, wie Isabel den Stoff erfasst und durchdrungen hat mit der unbedingten Subjektive der Hauptfigur. Und durch den simplen Fakt, dass es hier schwierig gewesen wäre, den Dreh in zwei Blöcke zu teilen.“, sagt Tom Spieß.

Die richtige Besetzung
Die Hauptfiguren in Die Falle, Bestsellerautorin Lisa Konrad und Investigativjournalist Robert Lenzen, spielen Friederike Becht und Hans Löw. Die beiden renommierten Darsteller*innen, die sowohl im Theater als auch vor der Kamera eine beachtliche Karriere vorweisen können, kannten sich bereits durch die gemeinsame Arbeit an Der Rausch. Löw wiederum gehörte schon zum Ensemble von Liebes Kind. Der Casting-Prozess in Zusammenarbeit mit Casting Director Sabine Schwedhelm war sehr konzentriert, im kleinen Kreis, weil Isabel Kleefeld bereits genaue Vorstellungen davon hatte, wer für die Rollen in Frage kommen könnte. „Wir haben sehr gezielt gecastet und nur die Spieler*innen eingeladen, die wir uns für die Rollen vorstellen konnten. Ganz wichtig war, dass die Konstellation passt, damit dieses Duell zwischen Lisa Konrad und Robert Lenzen funktioniert“, merkt Tom Spieß an.
Sowohl Friederike Becht als auch Hans Löw zeichnen sich durch eine besonders nuancierte Spielweise aus. „Das Verkörpern von Ambivalenzen war wichtig, um den psychologischen Aspekt beider Figuren herauszuarbeiten“, so Friederich Oetker. „Friederike und Hans waren perfekt. So, wie sie ihre Figuren durchdrungen haben, bringt man ihnen immer eine Grundsympathie und Empathie entgegen.“ Vor allem die Rolle der Lisa Konrad ist in den Augen von Friederich Oetker sehr komplex: „Sie braucht nicht nur eine gewisse körperliche Fitness, weil sie stark sein muss. Man muss ihr auch zutrauen, dass sie eine gute Autorin ist und dass sie den gefassten Plan durchzieht. Es muss sich viel abbilden in Friederike Bechts Spiel, weil sie als Lisa Konrad wenig Anspielpartner hat am Anfang in ihrer Isolation. Die Rolle verlangte eine so vielschichtige Schauspielerin, wie Friederike Becht sie ist, um das glaubhaft darzustellen.“
In weiteren Rollen spielen gleichfalls versierte Kolleg*innen wie Matthias Brandt, Malaya Stern Takeda, Anna Schudt, Ursula Strauss, Michael Klammer, Josephine Thiesen, Miriam Ohlmeyer, Peter Lohmeyer und Anna Stieblich. „Wir haben großes Glück mit dem Ensemble. Die Nebenrollen und ihre jeweiligen Schauspieler*innen lockern das Ganze auf und steigern die Wertigkeit. Neben großen Namen wie Matthias Brandt kann man auch neue, noch nicht so bekannte Gesichter entdecken, was ich sehr spannend finde“, so Friederich Oetker. Tom Spieß ergänzt: „Es sind alles kluge Spieler*innen, die wissen, wie sie eine Figur einführen und setzen müssen.“

Eine ganz eigene Welt
Die Falle hat als Hauptmotiv eine große alte Villa. Sie ist das Refugium, der einzig sichere Ort für Lisa Konrad nach der traumatisierenden Erfahrung durch den Mord an ihrer Schwester. Seit vielen Jahren hat sie keinen Schritt mehr nach draußen gemacht. Der Kontakt zur Außenwelt besteht über ihre Assistentin, ihre Agentin und ihren Verleger. Als Szenenbildnerin war Cordula Jedamski an Bord, die Isabel Kleefeld in dieser Kapazität bereits bei mehreren Projekten in der Vergangenheit unterstützte. „Lisa Konrad lebt im alten Verlagshaus, ein repräsentatives Gebäude, in dem früher Autoren einquartiert wurden“, so Produzent Tom Spieß.
Die Suche konzentrierte sich in Nordrhein-Westfalen auf eine alleinstehende Villa ohne unmittelbare Nachbarschaft. Das passte nicht nur zum Plot, sondern auch für die Situation von Dreharbeiten. Szenenbildnerin Cordula Jedamski gefiel an dem Stoff der Kontrast zwischen der abgeschlossenen äußeren und der grenzenlosen inneren Welt der Protagonistin und die vielen Ebenen der Figuren. Für Produzent Tom Spieß kam es darauf an, dieses zwanghafte Cocooning, das Lisa Konrad betreibt, glaubhaft zu erzählen: „Es sollte ein Habitat sein, von dem man sich vorstellen kann, dass sich jemand dort wohlfühlt. Lisa Konrad lebt zufrieden in diesem Haus – scheinbar. Gleichzeitig irritiert, dass diese Frau seit zehn Jahren keinen Fuß mehr vor die Tür gesetzt hat.“
Friederich Oetker findet, dass es Isabel in Zusammenarbeit mit Cordula Jedamski gut gelungen ist, diese ganz eigene „Lisa Konrad-Welt“ zu erschaffen. „Da sie das Haus nicht verlässt, muss sie sich ja alles ins Haus holen, was ihr wichtig ist. Das geht über die Stoffe, die Möbel, die Tapeten, die Bilder… sie kreiert sich ihren eigenen Kosmos. Dafür braucht es auch eine gewisse Größe, um das plausibel zu machen, dass sie diese Isolation aushält.“

Die Suche nach dem passenden Motiv gestaltete sich schwieriger, als von den Produzenten und Szenenbildnerin Cordula Jedamski gedacht. „Mehr als die Hälfte aller Szenen der Serie spielt in diesem Motiv, die Villa musste deshalb viel können. Das heißt, dass viele sehr unterschiedliche Szenen, Blickverbindungen und Wege funktionieren mussten und natürlich das Gebäude eine visuelle Kraft brauchte“, formuliert es Jedamski. Tom Spieß erinnert sich, dass sie für die aufwändige Suche Kreise bis zum Ruhrgebiet gezogen hätten, bis sich eine passende Location in der Nähe von Düsseldorf auftat. Dort fand der Großteil der Dreharbeiten statt, die im Frühjahr 2025 stattfanden.
„Wir konnten in der Villa viel arbeiten, was Oberflächen betrifft, Ausstattung, Interieur…“, so der Produzent. Cordula Jedamski führt aus: „Meine Abteilung und ich haben uns in der Vorbereitung sehr intensiv mit dem Motiv beschäftigt und mit Isabel Kleefeld dazu ausgetauscht. Aus etlichen Bildern haben wir unsere Moodboards dafür zusammengestellt.“ Ein Haus einzurichten, was die Bewohnerin seit vielen Jahren nicht verlassen hat, ist für ein Art Department eine spannende Aufgabe, wie Jedamski findet. „Wir haben versucht, durch die organischen Muster, die Pflanzen und die Farben ein Stück weit die Natur in das Haus zu holen. Auch der Wintergarten und das Wandgemälde in Lisas Schlafzimmer sollen diesem Zweck dienen.“ Ein kleiner Fun Fact: Weil es zu Lisa Konrad als Autorin passt, hat die Set-Decoration-Abteilung insgesamt 8000 Bücher in der Villa verteilt.
Einige Innenräume wurden dennoch im Studio nachgebaut. „Die große Aufgabe war, dass das matcht, dass die Räume in der Villa zu den nachgebauten im Studio passen und daraus eine Welt entsteht“, sagt Tom Spieß. Als Studio diente eine Industriehalle in Köln-Ehrenfeld, die öfter für Filmdrehs zum Einsatz kommt. „Dort hatten wir Platz und Raum genug und konnten die Perspektiven erzählen, die wir brauchten“, so Tom Spieß. Für Cordula Jedamski war es ein schönes Arbeiten: „Jede*r meiner Mitarbeiter*innen war wichtig, weil wir nur durch die Liebe und Sorgfalt und die vielen guten Ideen aller Beteiligten zu diesem Ergebnis kommen konnten. Ich glaube, dass unsere Sets atmosphärisch gut funktionieren und wir dadurch einen wichtigen Teil zu dieser tollen Serie beitragen konnten.“

Ohne Fallstricke
Die Produzenten erlebten die Arbeit an DIE FALLE als sehr angenehm und brachten die Produktion ohne größere Stolperstellen auf den Weg. Tom Spieß sagt: „Wir waren als Produzenten gefordert, wie wir bei jedem Projekt gefordert sind. Wir sind von der ersten Idee bis zum Launch verantwortlich, sind jeden Tag motiviert, unseren Job gut zu machen und für das Projekt die richtigen Entscheidungen zu treffen.“
Die unbedingte Hingabe für das Projekt stand für das Team hinter der Kamera zu jedem Zeitpunkt im Vordergrund. „Es war eine große Energie und Motivation zu spüren. Das schätze ich einfach. Es herrschte ein hoher Anspruch an die eigene Profession verbunden mit einer echten Leidenschaft“, so Tom Spieß. In den Heads of Department arbeiteten viele langjährige Weggefährten von Isabel Kleefeld wie Kameramann Martin Langer, Szenenbildnerin Cordula Jedamski, die Maskenbildnerinnen Isabella-Sophie Beyer, Mirjam Himmelsberger und Britta Penkalla-Polinski oder Editorin Renata Salazar Ivancan. Neu hinzugekommen sind die Kostümbildnerin Katharina Schnelting und die Editorin Nicole Kortlüke.
Friederich Oetker nennt die Zusammenarbeit mit Kleefelds Kreativteam eine wunderbar geölte Maschine: „Es ist ein Umgang voller Respekt und Achtsamkeit, man tauscht sich aus, teils wortlos. Die beste Idee gewinnt. Es steht immer das Werk im Vordergrund. Mit Isabel als Partnerin kann man alles auf Augenhöhe besprechen. Und auf Netflix als Partner können wir nur ein Loblied singen. Es ist vielleicht etwas langweilig, aber man kann es sich nicht besser vorstellen.“

Die Arbeit an Die Falle ist den Produzenten durchweg positiv in Erinnerung. Neu war für Friederich Oetker allerdings, dass es um das Projekt von Anfang an ein Grundrauschen gab. „Vermutlich lag das an der hohen Welle, die Liebes Kind geschlagen hat. Dass bei Außendrehs so ein Andrang herrschte, weil Menschen und Pressevertreter mitbekommen haben, dass hier das Nachfolgeprojekt entsteht, ist mir so noch nicht begegnet.“
Tom Spieß ist die absolute Hingabe von Friederike Becht und Hans Löw an ihre Figuren bleibend in Erinnerung. „Die beiden haben sich intensiv mit Isabel in langen Lesungen und Proben vorbereitet. Der Austausch zwischen den dreien im Vorfeld war unglaublich wertvoll und hat dazu geführt, dass wir am Set sehr präzise drehen konnten.“ Das Ergebnis sei ein höchst spannendes Ratespiel, „das den Zuschauer hoffentlich von Minute eins an so verstrickt, dass er sich nach vorne lehnt und gespannt ist, was passiert“.