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EIN GESPRÄCH MIT FRIEDERIKE BECHT & HANS LÖW

Hauptdarstellerin und Hauptdarsteller

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Friederike Becht
als Lisa Konrad

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Hans Löw
als Robert Lenzen

Hand aufs Herz: Wann war Ihnen beim Lesen des Drehbuchs klar, wohin die Reise gehen würde? Was waren Ihre ersten Gedanken?

Friederike Becht: Ich bin dieser Frau, Lisa Konrad, sofort verfallen. Sie steckt voller Angst und gleichzeitig ist in ihr eine Kraft verborgen, die im Laufe der Handlung immer weiter freigelegt wird. Ich habe beim Lesen schnell eine Lust entwickelt, diesem Prozess der Freilegung meinen Körper und mein Gesicht zu geben. Die Falle ist für mich eine Geschichte über Wandlung und Befreiung. Lisas seelische Grenzen und ihre räumliche Begrenzung formen sie zu Waffen um. Ihr Haus ist die Falle und ihr Wille ebnet ihr den Weg nach draußen, in ein Sich-Lösen und Sich-Öffnen.

Hans Löw: Bei der allerersten Lektüre musste ich im ersten Drittel immer mal wieder zurückblättern, weil ich die Konstruktion verstehen wollte, die unterschiedlichen Erzähl- und Handlungsebenen, die angelegt werden. Das war irgendwann sehr schlüssig und ich spürte, wie sich die Fäden spannen, sich alles zuspitzt, bis zu diesem sehr besonderen Moment, an dem sich Lisa Konrad und Robert Lenzen gegenüberstehen. Das fand ich sehr spannend.

Wer ist Lisa Konrad? Was hat Sie an der Figur gereizt?

Friederike Becht: Sie hat sich eine Welt geschaffen, in der sie sich sicher und frei fühlt. Sie ist gleichsam eins mit ihrem selbst geschaffenen Gefängnis geworden. Die Begegnung mit Lenzen bringt dieses sorgfältig aufgebaute Leben ins Wanken. Lisa beginnt, ihr Leben, ihre Erinnerungen, ihre Vergangenheit, ihre Beziehung zu ihrer Schwester und ihr Bild von sich selbst zu hinterfragen. Ist die Wahrheit, an die sie so lange geglaubt hat, tatsächlich die Wahrheit? Genau darin liegt für mich die Aufgabe dieser Figur: Sie muss den Mut finden, sich selbst noch ganz neu zu begegnen. Da gab es für mich als Schauspielerin viel zu begreifen und zu vermitteln.

Gleiche Frage an Hans Löw… Wie würden Sie Robert Lenzen beschreiben?

Hans Löw: Das Reizvolle fand ich zum einen Lenzens verquere Moralvorstellung, seine Undurchschaubarkeit, die Uneindeutigkeit der Figur. Außerdem war ich fasziniert von diesem strategischen Charakterzug, dieser Art Schachspieler, der vorbereitet ist, der immer meint, Kontrolle zu haben. Das ist mir sehr fremd und deshalb umso spannender. Der Hauptteil der Figur findet im Dialog statt, im Spiegel einer Mitwisserin, die ebenso strategisch unterwegs zu sein scheint. Mir hat diese Komplizenschaft in der Gegnerschaft sehr gut gefallen.

Wie viel Spielraum bietet ein so präzise ausgetüftelter Stoff für Sie als Darstellende? Wie viel Spielfreude kann man da entwickeln? Und sind solch komplexe Figuren reizvoller als „geradlinige" Figuren?

Hans Löw: Ehrlich gesagt war ja fast ein geradliniges Spiel gefordert, dadurch, dass man so übergenau sein musste, weil alles permanent unter Kontrolle stattfindet, auch voreinander, fast eher unfrei. Das hat mich teilweise ganz schön ins Schwitzen gebracht, dass man da voreinander sitzt, mit eineinhalb Meter Abstand, sich in die Augen stiert und nicht weiß, was man rauslassen darf, und was nicht. Es war wie eine Art Korsett. Die gedankliche Freiheit und die Lust an dieser Form der Kontrolle darin zu finden, war die Aufgabe. Ich empfand das als große Herausforderung.

Gab es bestimmte Momente beim Dreh, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Friederike Becht: Mir fällt als Erstes ein, wie unangenehm ich es empfand, als Hans in seiner Rolle dieses Haus betreten hat. Natürlich habe ich mich auf den Moment auch gefreut. Wir haben davor etwa zwei Wochen unabhängig voneinander gedreht, ich war im Haus, er war draußen beschäftigt. Alles lief natürlich auf den Moment hinaus, dass er kommt. Aber als es dann soweit war und Hans als dieser Lenzen vor der Tür stand, habe ich wahrhaftig Gänsehaut bekommen.

Hans Löw: Das war spürbar: Ich hatte an der Tür das Gefühl, du willst mich gar nicht reinlassen.

Friederike Becht: Das liegt im Wesen meiner Figur, in dem, was sie zu verhandeln hat. Und das war eigentlich ganz schön paradox: Ich persönlich wollte dich liebend gern reinlassen, aber meine Figur Lisa nicht. Wir kennen uns schon länger, haben bereits zusammengearbeitet und schätzen uns. Und trotzdem stellte sich aus der Figur heraus dieses Unwohlsein, diese Anspannung ein. Da begegnen sich dann die Spieler und Figuren mit dem Gefühl: Jetzt geht es los. Jetzt geht es um alles. Es war, als sähe ich ihn zum ersten Mal. Einen guten Schauspieler, so denke ich, erkennt man auch daran, dass man ihn immer wieder zum ersten Mal sieht. Wir haben uns dann über mehrere Wochen ein richtiges Duell geliefert. Ein Kampf, auf den sich meine Figur mental und körperlich akribisch vorbereitet hat. Genau wie ich als Spielerin. Die Spannung war groß, und es war aufregend, dir dann in der Villa zu begegnen.

Hans Löw: Der Drehplan war wirklich schlau gesteckt, dass wir erst mal so lange getrennt voneinander zu agieren hatten. Dann habe ich an dieser Villa geklingelt und wir hatten diesen seltsamen Moment. Das eigentliche Verhör haben wir im Studio gedreht. Das war körperlich ein absolut anderes Erlebnis, weil man in einer ganz anderen Realität, in einer ganz anderen Spannung voreinander saß – es fühlte sich an wie eine Versuchsanordnung. Ich fand das sehr hilfreich.

Friederike Becht: Stimmt, wir halten die Geige. Isabel hat das alles klug eingefädelt. Dass wir im Moment des Aufeinandertreffens bereits so angefüllt waren mit unseren Figuren, weil wir schon so viel erlebt haben mit ihnen – in ihnen – das hat es so besonders gemacht. Dazu muss ich sagen, dass neben der körperlichen Arbeit und der Vorbereitung mit Hans und Isabel Kleefeld für mich auch die Gespräche mit der Autorin Melanie Raabe sehr intensiv waren. Es war aufregend, die Figur sowohl aus dem Drehbuch als auch aus dem Roman zu speisen und mich mit Melanie über ihren Beruf und über das Schreiben zu unterhalten – weil meine Figur ja selbst Schriftstellerin ist.

Was zeichnet Isabel Kleefeld aus als Autorin, aber auch als Regisseurin aus?

Hans Löw: Ich hatte ja schon eine Vorgeschichte mit Isabel und ihrem Kameramann Martin Langer durch meine Rolle in Liebes Kind. Ich hatte also Vertrauen und wusste, dass ich mich in guten Händen befinde. Das Plotten, der Spannungsaufbau, das Konstruieren unterschiedlicher Erzählebenen, diese fantastische Vorbereitung! Das Zusammenbringen aller Gewerke schon vor Drehbeginn, das waren beste Bedingungen.

Friederike Becht: Es waren Bedingungen, wie man sie sich für alle Projekte wünscht. Erstmal waren die Drehbücher fertig. Das ist eher die Ausnahme. Ein gutes Buch ist das, worauf wir uns einstellen können – wir Spieler, aber auch alle Departments. Isabel hat sehr früh angefangen, Locations zu scouten. Die Villa hatten wir Monate vor Drehbeginn kennengelernt. Isabel hat mich und viele Mitarbeitende der Gewerke mit in dieses Haus genommen und hat uns herumgeführt. Wir haben gemeinsam überlegt, wie die Räume aussehen, wie diese Lisa Konrad wohl seit zehn Jahren lebt, was sie sich zu eigen gemacht hat. Das ist gemeinsam entstanden und die Gewerke konnten rechtzeitig und in Ruhe ihre Arbeit tun. Isabel ist eine Regisseurin, die alle Departments respektiert und damit das ganze Team wertschätzt. Es war großartig. Wie gemeinsam tanzen.

Sie beide kannten sich bereits von einem anderen Projekt. Was schätzen Sie aneinander?

Hans Löw: Dieses andere Projekt, eine Liebesgeschichte zweier Alkoholiker (Im Rausch), war eine vollkommen andere Begegnung. Aber schon dort war von meiner Seite klar, dass die Chemie stimmt. Wir uns menschlich und beruflich gut verstehen und auch helfen können. Auch in unserer Unterschiedlichkeit im Angang. Frieda ist sehr gut vorbereitet, sehr präzise. Sie kann jeden Moment immer sofort alles spielen. In aller Durchlässigkeit und in aller Kraft. Dabei bekommt sie mich als Gegenüber in der Figur und den Kollegen und Menschen dahinter immer voll mit. Das ist faszinierend und fordert mich sehr heraus.

Friederike Becht: Hans ist ein genauer Kollege, auch ein sehr zweifelnder und kritischer, was ich gut finde. Er macht nichts eben mal mit links. Da ist Kopf und Herz am Arbeiten. Da ist Verstand und ganz viel Leidenschaft dabei. Das fordert ihn auch selbst. Da wird keine leichtfertige Entscheidung getroffen, sondern eine genaue. Es ist großartig, mit ihm zu denken und zu arbeiten. Und zu probieren. Das Paradoxe bei uns Schauspielern ist, dass wir etwas wahr machen möchten, das in einer Kulisse stattfindet. Wir versuchen mithilfe der Fiktion die Fiktion aufzulösen, um sie wahrhaftig zu machen. Es ist Wandlung und Verwandlung, was wir machen. Hans ist da ganz oben mit dabei.

Jeder Dreh ist immer auch eine Lernerfahrung – hoffentlich. Was haben Sie im Rahmen der Produktion von Die Falle gelernt? Was haben Sie für sich mitgenommen?

Hans Löw: Ich habe einiges über Vorbereitung gelernt. Isabel funktioniert sehr über Vorbereitung. Alles ist gut gebaut. Da geht es darum, sehr genau zu sein. Ich bin sonst eher jemand, der sich Situationen hingibt und guckt, was im Raum so passiert, im Körper. Lass mich überraschen. Das war hier nicht so möglich und hat mich auch anfänglich ein bisschen kalt erwischt. Kontrolliertes und strategisches, zielstrebiges Handeln. Das habe ich zumindest ein klein wenig gelernt und mitgenommen.

Friederike Becht: Erstmal habe ich erfahren, wie wertvoll es ist, wenn man sich sein Projekt mit Genauigkeit im Vorfeld überlegt. Isabel Kleefeld hat dafür auch rechtzeitig die richtigen Menschen zusammengebracht. Wenn ich mal selbst Filmemacherin sein sollte, würde ich ebenfalls diese Vorbereitung anstreben. Speziell für mich habe ich gelernt, dass ich nach all der Vorbereitung das Loslassen suchen konnte - wie man sich wieder Raum kreiert. Und dennoch geht es auch darum, dass man auch bei genauer Planung und klarer Vision ein bisschen Chaos reinbringen sollte, damit man locker bleibt und wirklich aus den Momenten heraus eine andere Lebendigkeit bekommt. Ein klarer Rahmen muss gar nicht einengen, sondern kann einem auch helfen, spielerisch frei zu sein.